Die langfristige Wirkung zählt

Wir verbessern die Rahmenbedingungen für Erfolg

Tibor Reischitz gehört seit Anfang September zum Team von Berndtson Interim. Er verfügt über profunde Kenntnisse in den Feldern Private Equity und Familienunternehmen, die häufig aus dem Maschinen- und Anlagenbau sowie aus dem Automotive-Bereich kommen. Er begleitet Veränderungssituationen in Unternehmen und sorgt dafür, dass sich die Rahmenbedingungen der Unternehmen verbessern und sie so in der Lage sind, neue Chancen zu ergreifen.

Herr Reischitz, an Veränderungssituationen herrscht derzeit kein Mangel. Covid 19 hat bereits  bestehende Schwächen unserer Industrie ans Licht gezerrt. Viele Unternehmen stehen am Abgrund. Was kann Interim Management in einer solchen Situation ausrichten?

In vielen Unternehmen sind Restrukturierungen notwendig, wobei das ein weiter Begriff ist. Fakt ist, dass einige Unternehmen schon vor der Krise ihre Hausaufgaben nicht gemacht und Chancen verschlafen haben. Die Liquiditätskrise wurde durch günstiges Geld und eine gute Marktlage lediglich hinausgezögert. Vor der Liquiditätskrise kommen nämlich immer die Strategiekrise und die Ertragskrise. Nehmen Sie als Beispiel die Autoindustrie, die sich jahrelang ausschließlich auf die Dieseltechnik konzentrierte und darüber alles andere vernachlässigte. Dieser Fehler wurde schon vor sieben bis acht Jahren begangen. Covid 19 war nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Staatliche Hilfen sind in solchen Fällen Innovationsbremsen und resultieren vor allem in Marktverzerrungen. Interim Manager können hier jedoch Veränderungen anstoßen, dringend notwendige Kostensenkungsmaßnahmen umsetzen und zum Beispiel bei Bankengesprächen unterstützen. Manchmal hilft eine gut geplante Insolvenz in Eigenregie. Doch kein Weg führt daran vorbei, dass ein gutes Geschäftsmodell und gute Produkte oder der Wille, diese entsprechend  anzupassen, die Basis für eine Rettung sind.

Weshalb ist es sinnvoll, bei solchen Restrukturierungen auf Interim Management zu setzen?

Restrukturierung ist eine sehr spezielle Aufgabe. Wie andere Veränderungsaufgaben geschehen sie nicht oft, vielleicht nur einmal im Leben eines Managers. Das normale Management ist damit überfordert. Gerade Familienunternehmen haben häufig nicht einmal eine zweite Managementebene. Und wenn doch, hat sie in manchen Unternehmen nur wenige Befugnisse, sondern der Patriarch kontrolliert alles. Dabei muss es nicht einmal um eine komplette Restrukturierung gehen, sondern es kann sich auch um einen Werksschließung oder die Neuorganisation der Supply Chain handeln. Gute Interim Manager zeichnen sich durch Erfahrung aus. Sie haben die anstehende Aufgabe vielleicht schon fünf- oder zehnmal gemeistert und sind dadurch in der Lage, die richtigen Fragen zu stellen und wertvolle Anstöße zu geben.

Manche Interim Manager scheitern an alten Strukturen, unwilligen Mitarbeitern und Führungskräften. Wie kann man das vermeiden?

Interim Manager und Geschäftsführung müssen zusammenarbeiten, um die Menschen mitzunehmen. Eine Veränderung kann nie gegen die Mannschaft funktionieren. Der Interim Manager braucht die Unterstützung der Geschäftsleitung sonst wird er „ausgesessen“. Kommunikationsfähigkeit ist somit die wichtigste Eigenschaft eines Interim Managers. Deshalb achten wir sorgfältig auf die Persönlichkeit des Interim Managers, denn er soll das Unternehmen weiterentwickeln. Das gelingt nur, wenn die Organisation die Veränderung verinnerlicht. Er muss fachlich sehr, sehr gut sein, Erfahrung in Veränderungssituationen mitbringen und sich sehr schnell einarbeiten. Ein Interim Manager hat keine 100  Tage. Er muss flexibel sein, die richtigen Menschen finden und differenziert handeln. Gerade Krisensituationen erfordern manchmal schnelle Entscheidungen, die nicht jeder akzeptieren kann. Ein Haudrauf ist hier nicht geeignet, sondern jemand, der Entschiedenheit als Werkzeug nutzen kann. Das ist oftmals eine Gratwanderung, die eine hohe Kommunikationsfähigkeit und andere Soft Skills erfordert.

Was ist Ihr Ziel, wenn Sie einen Interim Manager und notwendige Teamressourcen auswählen?

Für mich ist die Frage entscheidend, was passiert, wenn die Situation gerettet ist. Ist die Veränderung von Dauer? Hat der Interim Manager eine langfristige Veränderung bewirkt? Geht es dem Unternehmen nach zwei Jahren immer noch gut? Dabei kann der Erfolg unterschiedliche Gesichter haben. Es ist ein Erfolg, wenn ein Unternehmen deutlich innovativer geworden ist und sich dadurch  eine bessere Marktstellung erarbeitet hat; wenn eine Standortschließung dazu beigetragen hat, dass die Organisationsstrukturen verbessert wurden; wenn ein unverkäufliches Unternehmen zu einem guten Preis verkauft werden konnte. Die Rahmenbedingungen in einem Unternehmen so zu verbessern, dass es wieder wettbewerbsfähig wird, ist eine herausfordernde und komplexe Aufgabenstellung mit vielen Gesichtern, der wir uns gerne stellen.

Sep 10, 2020
Sascha Hackstein
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S. Hackstein
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