Neue Rolle für CFOs: Vom Accountant zum Business Partner zum Strategic Enabler

Expertentalk mit Christian Jehle: „Der Finanzbereich setzt strategische Impulse und ist oft Vorreiter der Digitalisierung.“

Sascha Hackstein, Geschäftsführer von Berndtson Interim, spricht mit Christian Jehle, der frühzeitig als CFO in großen internationalen Konzernen Transformation und Digitalisierung im Finanzbereich  vorangetrieben und umgesetzt hat.

Sascha Hackstein: Herr Jehle, das heutige dynamische Geschäftsumfeld stellt hohe Anforderungen an den CFO und geht weit über die traditionellen Finanzkenntnisse hinaus. Wie hat sich seine Rolle in den letzten Jahren verändert – was kommt hinzu, was bleibt?

Christian Jehle: Unternehmer und CEOs erwarten heute konstruktive Beiträge zur Entscheidungsfindung und Handlungsempfehlungen aus der Finanzabteilung sowie einen aktiven Beitrag zur Transformation von Unternehmen. Der CFO ist dabei  wichtiger Partner des CEO und gemeinsam mit diesem Treiber der strategischen Unternehmensentwicklung und der vom Markt geforderten digitalen Transformation. Der Finanzbereich setzt strategische Impulse und ist häufig Vorreiter der Digitalisierung.

Die bisherigen Aufgaben fallen dabei nicht weg, aber transaktionale Aufgaben werden weitgehend automatisiert und weniger von Menschen wahrgenommen. Es wird als selbstverständlich betrachtet, dass diese Aufgaben weiterhin qualitativ hochwertig und reibungslos erledigt werden.

Sascha Hackstein: Wie wird der Finanzbereich durch die Digitalisierung verändert und was macht ihn zum Vorreiter? Viele Unternehmen haben inzwischen die Stelle des Chief Digital Officer geschaffen – wird der CFO zu dessen Konkurrenz?

Christian Jehle: Nein, der CDO bringt Technologie- und Datenkompetenz mit, die dem ganzen Unternehmen zugutekommen sollten. Ich sehe den CDO nicht als Konkurrenz, sondern als Partner, mit dem der CFO Hand in Hand zusammenarbeitet.

Der CFO muss die für den Finanzbereich notwendigen Veränderungen anstoßen, um den neuen Anforderungen gerecht zu werden und seine Ziele zu erreichen. Nur mit einem integrierten einheitlichen System, das sowohl Transaktionen als auch Analysen abdeckt und mit verschiedenen Datentypen umgehen kann, lässt sich Mehrwert schaffen und Komplexität reduzieren.

Bezüglich der Digitalisierung haben wir zwei Themen, die für den Finanzbereich wichtig sind:

Zum einen ist sie Key Enabler, um transaktionale Aufgaben zu automatisieren und so Kapazitäten für wertschöpfende Aufgaben zu schaffen. Hierbei gibt es generell im Finanzbereich sehr hohes Automatisierungspotenzial.

Zum anderen geht es um Datenverarbeitung und -auswertung, die die Unternehmenssteuerung unterstützen und entscheidenden Einfluss auf die Bedeutung der Finanzfunktion haben. Informationen können heute in Echtzeit bereitgestellt werden. Das ermöglicht eine bessere strategische Planung, Entscheidungsfindung und letztlich auch eine wertschöpfende Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen.

Sascha Hackstein: Veränderung zieht oft Widerstand nach sich. Transformation bedeutet für die Unternehmen auch Kulturveränderung. Automatisierung oder beispielsweise ein Shared Services Center befeuern die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes. Wie gehen Sie damit um?

Christian Jehle: Sie haben Recht: Wenn zentralisiert und automatisiert wird, muss man mit Widerstand rechnen. Oberstes Gebot ist hier, rechtzeitig für Klarheit und Transparenz zu sorgen. Verantwortliche müssen klar kommunizieren, welche Schritte unternommen werden, wie der Zeitplan aussieht und welche Auswirkungen das auf die Mitarbeiter und ihre Arbeit haben wird. Man muss den Mitarbeitern erklären, wie sie die Veränderung betrifft und was man tun kann, um den weiteren beruflichen Weg der betroffenen Mitarbeiter zu unterstützen. Manche werden den Weg nicht mitgehen können oder wollen. In diesen Fällen muss ein potentieller Exit mit Respekt gelöst werden. Es ist Aufgabe der Entscheider, die Anforderungen an Mitarbeiter und Führungskräfte zu definieren und für deren Entwicklungsmöglichkeiten zu sorgen.

Sascha Hackstein: Was muss getan werden, damit der CFO seine Rolle zum Nutzen des Unternehmens wahrnehmen kann?

Christian Jehle: Zuallererst sollte der CFO sein Selbstverständnis überprüfen und sich seiner Rolle als Strategic Enabler bewusst werden. Wenn er die Zukunft des Unternehmens mitgestalten möchte, reicht es nicht mehr aus, Jahrespläne zu erstellen, dazu geschehen die Veränderungen, denen sich Unternehmen heute gegenübersehen, zu schnell. Das Investment für die Digitalisierung  beziehungsweise Digitalisierungsprojekte muss ermöglicht werden. Der CFO muss Investment und Return überwachen, auch bei der Digitalisierung. Produktivitäts- und Qualitätsfortschritte  müssen gemessen werden. Nur mit verlässlichen Informationen kann das Unternehmen besser gesteuert und die Wertschöpfung erhöht werden.

Sascha Hackstein: Der CFO wird also zum Strategic Enabler und gemeinsam mit dem CEO als „Top-Duo“ die Führung des Unternehmens wahrnehmen. Was erwarten Sie für die Zukunft noch?

Christian Jehle: Auch der CFO selbst wird sich verändern müssen. Wir haben einen inkrementellen Anspruch, doch der Grad der Veränderung ist exorbitant. In Zukunft  wird der CFO Führungskräfte rekrutieren müssen, die in der Welt der Digitalisierung quasi bereits aufgewachsen sind und anders sind als er selbst. Sie werden noch mehr digitales Wissen und andere Kenntnisse und Fähigkeiten haben und diese Veränderung wird fortschreiten. Der CFO muss sicherstellen, dass diese neue Generation an Führungskräften in die Unternehmen eingebunden wird und die Finanzfunktion strategisch weiterentwickelt.

Sascha Hackstein: Herr Jehle, vielen Dank für dieses aufschlussreiche Gespräch.

Unsere Erfahrungen zeigen, dass nicht alle Unternehmen ihre Veränderungsvorhaben  aus eigener Kraft stemmen können. Wir empfehlen Unternehmen den Einsatz von Interim Managern als Teil ihrer Transformationsstrategie in Betracht zu ziehen. Verbesserte Informationen und Systeme, Organisationen und Mitarbeiter sowie Prozesse und Richtlinien sind im Finanzbereich eines Unternehmens eng miteinander verbunden. Hier die richtigen Prioritäten zu setzen und diese zielgerichtet umzusetzen, ist eine Herausforderung, die sich häufig mit externer Unterstützung bewältigen lässt.

Mar 26, 2019
Sascha Hackstein
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