Praxisbeispiel Gießerei 4.0

Neue Ertragsströme durch offene Serviceplattform

ABP, Hersteller von Induktionsöfen aus Dortmund, hat es innerhalb von nur drei Jahren geschafft,  seinen Kunden mit der Plattform „MyABP“ nicht nur umfassende herstellerunabhängige, digitale  Services anzubieten, sondern auch eine Wissensdatenbank mit Serviceprotokollen, Problemlösungen und vielem mehr – frei verfügbar über Herstellergrenzen hinweg.

Auf der weltgrößten Messe für Gießereitechnik hat das Unternehmen gezeigt, was „Gießerei 4.0“ heißt. „Wir haben demonstriert, was heute im Anlagenbau möglich ist. Es geht um die Verbindung von High-End-Geräten zum Schmelzen, Gießen und Erwärmen mit neuen digitalen Entwicklungen des Internet of Things“, sagt Till Schreiter, CEO und President der ABP Induction Gruppe, und stellt klar: „Wir machen das, weil unsere Kunden davon profitieren.“

Wandel kann nicht warten

In den vergangenen Jahren hat das Unternehmen die Grundlagen für seine neuen Services gelegt. Die Operational Excellence wurde stetig verbessert. Produkte und Prozesse wurden digitalisiert und optimiert, neue Services wurden entwickelt und damit die Ertragsströme gesichert und neue generiert. Dafür hat das Unternehmen mit Berndtson Interim auch externe Kräfte an Bord geholt.  „So hatten wir in dem Projekt ‚Standardisierung und Digitalisierung der globalen Engineering Angebote‘  weder die nötige Kompetenz noch die Ressourcen. Deshalb haben wir einen erfahrenen Manager für die Umsetzung unserer Pläne gesucht“, erzählt Schreiter. „Das Projekt erforderte ein Umdenken im Engineering, etablierte Vorgehensweisen mussten in Frage gestellt und vielfach mit neuen Prozessen verändert werden. Parallel befanden wir uns in den Endverhandlungen mit unseren neuen Eigentümern, ein ungünstiger Zeitpunkt, um neue permanente Führungskräfte für unser Unternehmen zu gewinnen. Doch Wandel kann nicht warten. Dank des Einsatzes  von Interim Management, konnten wir den Prozess dennoch zielführend vorantreiben.“

Interim Manager seien auch daran beteiligt gewesen, den Change-Prozess insgesamt zu strukturieren und voranzutreiben und den Kulturwandel zu begleiten. „Nur Mitarbeiter, die die Notwendigkeit zur Veränderung verstehen und annehmen, können das Neue auch umsetzen“, betont Schreiter. „Durch ihre Veränderungserfahrung sind die Manager in der Lage, notwendige Organisations- und Strukturveränderungen durchzusetzen und die Mitarbeiter im Veränderungsprozess zu begleiten.“

Offen, orts- und zeitunabhängig

Die Plattform MyABP ist die logische digitale Erweiterung des Angebots. „Damit schließen wir die Lücke zwischen Gießereien und Schmieden zu uns als Anlagenhersteller‘‘, sagt Schreiter. Dabei treffe spezielles Herstellerwissen auf Industrie 4.0 und Künstliche Intelligenz. Die Plattform funktioniert offen, orts- und zeitunabhängig. Sie ist als offenes System für alle beteiligten Prozesse und Maschinen in der Gießerei ausgelegt, ganz gleich, ob Schmelzbetrieb, Sandmaschine oder Formanlage. Vor- und nachgelagerte Prozesse lassen sich einfach in die Plattform integrieren. Hier finden sich alle Dokumente zu den Anlagen, von Produktbeschreibungen und Zeichnungen über Wartungshandbücher bis zu Serviceberichten. Mittels Augmented Reality ist der ABP-Service über die Datenautobahn schnell verfügbar, spart Kosten, reduziert Produktionsausfälle und schont die Umwelt. Mit Schulungen und dem Virtual Training kann jeder Mitarbeiter der Kunden auf Wunsch im virtuellen Raum an einem digitalen Zwilling der eigenen Anlage trainieren. Außerdem erhalten die Nutzer der Trainings Vorschläge, welche Schulungen erforderlich sind, um anstehende Wartungsarbeiten durchzuführen, die Produktivität zu steigern oder ein hohes Maß an Sicherheit zu gewährleisten. „Wir packen den Mitarbeitern unserer Kunden eine Gießerei in den Rucksack“, sagt Schreiter.

Ofen mit Smartphone

CEO Schreiter betont, dass es bei der Entwicklung der neuen Serviceangebote stets darum gehe, das Leben für den Kunden einfacher zu machen, ihm Kosten zu sparen und den Umweltschutz zu fördern. „MyABP ist die digitale Plattform für alle Anlagen, Mitarbeiter und Prozesse des Kunden. Um Bedürfnisse wie Kostenreduktion, Qualitätssicherung und -steigerung, CO2-Reduzierung und Energieeinsparung, Arbeitssicherheit und Anlagenverfügbarkeit zu erfüllen, haben wir unsere Servicelösungen vollkommen neu gedacht und in MyABP zusammengeführt“, sagt Schreiter. MyABP werde so zum persönlichen Informations- und Wartungsassistenten für Schmelz- und Erwärmungsanlagen von ABP und anderen Herstellern.

„Was wäre, wenn Ihr Ofen ein Smartphone hätte?“, fragt Schreiter und gibt gleich die Antwort: „Es würde die Beziehung zu Ihrer Anlage völlig verändern. Es würde Ihrem Ofen ermöglichen, bei Bedarf Ihre Aufmerksamkeit zu wecken, nach Wegen zur Leistungsverbesserung zu suchen und sogar zu kommunizieren, um den besten Produktionsrhythmus abzustimmen. Und genau das wollen wir erreichen. Service-Apps nutzen die Verbindung zu den Gerätesensoren und stellen die gewonnenen Informationen genau zur richtigen Zeit den richtigen Personen zur Verfügung.“

Veränderung verlangt Revolution

Technologiegiganten wie Amazon, Facebook, Google und Apple haben unser Verhalten revolutioniert und beeinflussen, wo und wann wir Informationen erhalten, wie wir kommunizieren und mit unserer Umwelt interagieren. „In der Gießerei- und Schmiedebranche haben wir zwar einige Verbesserungen in der Anlagentechnologie und in der Prozessautomatisierung festgestellt, aber nichts ist mit dem vergleichbar, was heutzutage in unserem Privatleben erfolgt“, sagt Schreiter. „Kein Unternehmen hat sich bisher getraut, die Revolution auf unsere Branche zu übertragen. Wir haben uns dieser Herausforderung gestellt und werden diese Revolution leiten und vorantreiben.“ Dazu gehört es laut Schreiter, die Ausrüstung intelligenter zu machen, Know-how zu teilen, praxisgerechte Schulung und Training möglich, sowie das Leben des Kunden einfacher zu machen. „Unsere Plattform ist der zentrale Punkt für Erkenntnisse, Empfehlungen und alles relevante Wissen rund um die Anlage. Kunden können so ihre Dienstleistungen, Anlagenstücklisten, Dokumentation, Angebote und Aufträge verwalten, Support anfordern und Verbindung zu den verschiedenen Systemen in der Produktion herstellen“, fasst Schreiter zusammen und ergänzt: „Eine Revolution ist keine Aufgabe für nur eine Person oder eine Firma. Wir setzen deshalb auf Kunden, Lieferanten und andere Maschinen- und Anlagenbauer, auf Partnerschaften mit anderen Unternehmen und Universitäten, um die Plattform stetig weiterzuentwickeln.“

Nov 3, 2019
Sascha Hackstein
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